Licht in der Aktfotografie: von Caravaggio bis zum Studioblitz

Licht ist im Akt das wichtigste Werkzeug. Wie viel ein harter Lichteinfall aus einem Körper machen kann, hat Caravaggio schon vor über 400 Jahren gezeigt.
Fine-Art-Akt mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast: Frau sitzt mit ausgestreckten Armen, Kopf auf dem Knie, fotografiert von René Lüdke in Hamburg
Sitzende Pose mit ausgestreckten Armen, Kopf auf dem Knie. Foto: René Lüdke

Im Akt entscheidet das Licht, was man sieht und was im Dunkeln bleibt. Die Prinzipien dafür haben Maler vor 400 bis 500 Jahren entwickelt. Ich arbeite heute mit Studioblitzen, die Fragen sind dieselben geblieben.

Chiaroscuro: hell und dunkel

Chiaroscuro ist Italienisch und heißt wörtlich „hell-dunkel“. Leonardo da Vinci gehört zu den Malern der Renaissance, die Körper durch Übergänge von Licht zu Schatten modellierten, statt sie mit Linien zu umreißen. Caravaggio trieb das gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf die Spitze: tiefes Schwarz, harter Lichteinfall, Figuren, die aus dem Dunkel treten. Diese Steigerung heißt Tenebrismus.

Fine-Art-Akt mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast: Frau sitzt mit ausgestreckten Armen, Kopf auf dem Knie
Starker Hell-Dunkel-Kontrast im Atelier. Foto: René Lüdke

Was Licht im Akt bewirkt

Richtung, Härte und Helligkeit des Lichts bestimmen, ob ein Bild verletzlich oder kräftig wirkt. Seitenlicht zeichnet Konturen und Muskeln nach und wirft lange Schatten, wie Rembrandt es in seinen Porträts tat. Gegenlicht macht aus dem Körper eine Silhouette und lässt Raum für die Fantasie. Im Shooting entscheide ich für jedes Motiv neu, woher das Licht kommt.

Das Licht im Atelier

Die alten Meister hatten Fenster, Kerzen und Spiegel. Ich habe Profoto-Blitze, die sich sehr genau einstellen lassen: ein einzelnes Licht von der Seite oder mehrere Lichtquellen, die zusammen eine ganze Lichtskulptur bauen. Mein Atelier in Hamburg City Nord hat 140 m² und mehrere Sets.

Nahaufnahme: brennende Kerze auf geölter Haut mit goldenen Glanzlichtern, von René Lüdke
Kerzenlicht und Gold auf der Haut. Foto: René Lüdke

Gold Bodypainting: Licht auf Metall

Goldfarbe reflektiert das Licht fast wie Metall. Wo es direkt auftrifft, entstehen helle Glanzlichter, daneben wird die Fläche schnell dunkel. Auguste Rodin ließ seine Skulpturen von Fotografen wie Edward Steichen aufnehmen. Beim Gold Bodypainting wird der lebende Körper selbst zur Skulptur. Mehr dazu auf der Seite Gold Bodypainting.

Gold Bodypainting als Skulptur: Umarmung, fotografiert von René Lüdke in Hamburg
Gold Bodypainting, fotografiert wie eine Bronze. Foto: René Lüdke

Der Weg in die Museen

Als eigene Kunstform setzte sich die Fotografie um 1900 mit dem Piktorialismus durch. Alfred Stieglitz und Edward Steichen kämpften dafür, dass Fotografien neben Malerei und Skulptur ausgestellt wurden. Heute hängt Aktfotografie in Galerien und Museen.

Aktfoto im Aerial Ring, eingerollte Pose, fotografiert von René Lüdke in Hamburg
Eingerollte Pose im Aerial Ring. Foto: René Lüdke

Licht und Respekt

Mit dem Licht entscheide ich, welche Teile eines Körpers sichtbar sind und welche im Schatten bleiben. Deshalb klären wir im Vorgespräch, wie viel du zeigen möchtest, und danach richte ich das Licht.

Gebogener Körper in monochrom rotem Studiolicht, Bodyscape von René Lüdke
Körper in rotem Licht. Foto: René Lüdke

Mehr über den Akt in der Kunstgeschichte steht im Artikel Fine Art Akt als Kunstform, Bilder aus meinem Atelier zeigt die Galerie.

Wenn du dir vorstellen kannst, selbst vor der Kamera zu stehen, schreib mir.

Quellen zur Kurzbiografie: hm-infinity.de (Nacht der Kolibris 2019), DESIGNBOTE (25.11.2015)